Noreia Blüten Essenzen

 
Gute Hoffnung – jähes Ende:
Mit allen Sinnen Abschied nehmen

Geburt und Tod sind zentrale Themen unseres Lebens. Sowohl für die Betroffenen wie auch die Angehörigen sind beide Ereignisse einmalig und überaus kostbar. Deshalb gilt es, nichts zu versäumen, was für beide Anlässe zeitlich unwiederbringlich verloren ist.

In den sensibelsten Phasen eines Menschenlebens gilt es Bedürfnisse zu erkennen, zu unterstützen und zu erfüllen. Sie stellen Weichen im Leben, die wir heute wahrscheinlich nicht hoch genug einschätzen.

Die kostbare Zeit zwischen Tod und Bestattung kann für die Angehörigen mit Unterstützung von außen intensiv genutzt werden, um die Phasen der Trauer zu durchgehen und sie ins Fließen zu bringen. Ganz besonders gilt dies dafür, wenn das Unfassbare geschieht, wenn Geburt und Tod zusammenfallen. Es gibt keine Lebensspanne dazwischen, wo sich die Betroffenen Erinnerungen erwerben und das Kind als unverwechselbare einmalige Persönlichkeit im Herzen aneignen können.

Abschiednehmen kann ich nur von etwas, von jemandem, dem ich mit meinen Sinnen begegnet bin.

Wie die „Bonding-Phase“, das Anbinden, das ins Herz nehmen für Eltern und Kind nach der Geburt stattfindet – übrigens zeitlich auf eine knappe halbe Stunde begrenzt – sind wir als Begleiterinnen und Begleiter aufgerufen, dieses Bonding an das tote Kind in kurzer Zeit zwischen Geburt und Bestattung zu ermöglichen.

Dabei hilft den Angehörigen, sinnliche Erfahrungen mit dem toten Kind zu machen. Sie eignen sich ihr Kind mit allen Sinnen an, es nimmt Platz ein in ihrem Herzen und in ihrem Leben. Sie verbringen eine Zeitspanne mit ihm und über sinnliche Eindrücke wird das Verlorene real. Es wird möglich, sich das Kind „einzuverleiben“.

Wenn dies gelingt, wird Abschiednehmen dieses „Bonding“ schmerzvoll lösen, die Trauer jedoch nicht stoppen, sondern weiterhin fließen lassen.

Die gemachten Erfahrungen, die Erinnerung an das tote Kind werden im Herzen als kostbarer Schatz bis an das Lebensende bewahrt.

Wir alle, die Menschen begleiten, sind aufgerufen diesen Prozeß zu unterstützen, damit die wiederstreitenden Gefühle der Trauerphasen nicht unterdrückt werden. Inzwischen gibt es etliche Studien über die krankmachende  verhinderte Trauer.  Auch Medikamente helfen nicht den Schmerz zu lindern, sie schieben – nach Frau Dr. Elisabeth Kübler-Ross – die Trauer nur auf: „Es gibt nur eine Möglichkeit, den Schmerz zu erfahren: entweder sofort und messerscharf oder – mit Medikamenten aufgeschoben – nach Jahren messerscharf. So fehlgebildet kann ein Kind gar nicht sein, dass man es seinen Eltern nicht zeigen kann. Versäumt man dies, wird das verstorbene Kind in der Phantasie zu einem Monster. Eltern sehen das tote Kind mit den Augen der Liebe an.“

Nach Dr. Jorgos Canacakis: „Trauern braucht Trauern und keine Psychotherapie. Wenn sie fließt, kann sie durchgangen und umgewandelt werden.“

Für Trauern und Abschiednehmen gibt es viele Gelegenheiten im Menschenleben, es ist ein andauernder Reifeprozess, ein tägliches Loslassen. Darüber erwerben wir Menschen mehr Mitgefühl und soziale Kompetenz.