Noreia Blüten Essenzen

Die positiven Kräfte während der Geburt

In der Zeit der vielen Informationen, die häufig die unterschiedlichsten Meinungen über Schwangerschaft und Geburt vertreten, ist es wichtig für uns Hebammen, unseren eigenen Standpunkt zu finden, bzw. ihn vielleicht neu zu überprüfen. Wie stehen wir auf Grund unseres Wissens und unserer Erfahrungen zur Geburt, zum Geburtsverlauf?
Was fangen wir mit den Informationen aus allen Lagern an? Wie stehen wir zur "Wunschsectio"? Deshalb möchte ich die positiven Kräfte während der Geburt in Erinnerung rufen und aufzeigen, wie man sie unterstützen kann bzw. was vermindert diese Kräfte?

Im Geburtsvorbereitungskurs erkläre ich den werdenden Eltern den Geburtsvorgang:

1. Das weibliche Becken, mit seinen Knochen, Knorpelverbindungen, die durch die Schwangerschaft aufgelockert sind und durch die Schwerkraft in der aufrechten Position (sitzen, stehen, hocken, knien, Vierfüßlerstand usw.) eine Erweiterung bis zu 2 cm erfahren. Diese von Prof. Caldeyro-Barcia vor vielen Jahren durch Röntgenaufnahmen! bewiesene Erweiterung entfällt bei Lagerung der Gebärenden in Rücken- oder Seitenlage.

2. Das Becken mit seinen Räumen, dem Eingang und Ausgang, seiner Geburtsmechanik, die dem Kind den Geburtsweg ermöglicht, es beim Einstellen, Drehen, Tiefertreten, Beugen und Strecken unterstützt, so dass es in fast 90 % aller Fälle nicht anders kann, als sich diesem Weg anzupassen und ihn aus eigener Kraft zu gehen.

3. Die Gebärmutter, die in der 40. Schwangerschaftswoche 1 kg schwer ist und eine unglaubliche Arbeit tut. Die Gebärmutter ist der größte Muskel, den ein Mensch auf der Welt entwickelt. Diese Gebärmutter ist auf Grund der Anatomie fähig, sich zusammenzuziehen. Dies geschieht in Wellen vom Gebärmuttergrund zum Gebärmutterhals -also vom oberen Rand der Gebärmutter nach unten zum Schambereich - und unterstützt die Öffnung und Dehnung des Muttermundes von 0 auf 10 cm. Nach dieser Eröffnung
zieht sich die Gebärmutter über dem Kind zurück, so dass es aus der Sack-Höhl

ntlassen wird, in der es so lange geborgen war.

4. Die Wehen (‚Geburtskräfte' sagten die alten Hebammen), die das Kind in seiner Eigenbewegung unterstützen bzw. seinen Kopf passend machen, damit er passt wie der Schlüssel ins Schlüsselloch! Über die offenen Fontanellen und Knochennähte am kindlichen Kopf ist eine nötige Anpassung, Verkleinerung durch Verschieben möglich, ohne das Kind zu beeinträchtigen. Die Wehen sind die Schritte auf dem Weg zum Kind. Ohne Wehen kann das Kind nur durch Kaiserschnitt geboren werden.

5. Das Kind mit seiner eigenen Kraft, stemmt sich mit den Füßchen im
Gebärmuttergrund ab und arbeitet vor allem in der Austreibungsperiode mit. Die Volkshebamme Marjosa aus dem Lötschental in der Schweiz sagt, dass es die Kinder in Beckenendlage schwerer haben während der Geburt, weil ihre Beinchen sich nicht am Gebärmuttergrund abstemmen und mithelfen können.

6. Die geraden und schrägen Bauchmuskeln, die den Auffangmechanismus unterstützen, den vorangehenden Kopf oder Steiß ins Becken leiten, sowie das Zwerchfell, das von oben diesen Vorgang stützt und Halt bei der sogenannten "Austreibungsperiode" der eigentlichen Geburtsperiode gibt.


7. Die Endorphine sind körpereigene Stoffe. Sie haben eine morphiumähnliche Wirkung, sind unter anderem also auch schmerzlindernd und werden ausgeschüttet, wenn der Mensch seelisch oder körperlich über seine Grenzen geht - sowohl in der Freude (z.B. Tanzen, Singen, bei der körperlichen Liebe) als auch unter Anstrengung (z.B. Bergsteigen, Joggen) und im Schmerz. Bei der Geburt schüttet nicht nur der Körper der Frau diese Stoffe aus, sondern auch das Kind sorgt mit eigener Endorphin-Ausschüttung für die Verminderung des Stresses unter der Geburt. Damit Endorphine optimal ausgeschüttet werden, braucht es besondere Bedingungen: die Gebärende sollte Vertrauen zu sich, den Geburtsvorgängen, den sie begleitenden Geburtshelferinnen und Geburtshelfern haben, sich im Geburtsraum heimisch und
geborgen fühlen und im Geburtsvorbereitungskurs gelernt haben, dem Geburtsschmerz einen positiven Sinn zu geben und ihm zu begegnen. In einem die Intimsphäre schützenden Rahmen, in Geborgenheit und Ruhe, sind die Endorphine deutlich vermehrt.
Nach der Geburt schärfen die Endorphine die Aufmerksamkeit von Mutter und Kind und unterstützen so das Kennenlernen, das sich Verlieben, das aneinander Anbinden (Bonding-Prozeß). Auch die Väter gehen über ihre emotionalen Grenzen, wenn sie bei der Geburt ihres Kindes dabei sind und haben offensichtlich auch eine Ausschüttung dieser Glückshormone. Manche Väter berichten, die Geburt ihres Kindes wäre das Schönste gewesen, was sie mit ihrer Frau zusammen erlebt hätten.


Alle diese positiven Kräfte während der Geburt sind da, ob die Frau darum weiß oder nicht ..... Sie muss nichts dafür tun! Allerdings kann die Wirkung vermindert werden z. B. durch allopathische Medikamente; Homöopathie oder Blüten-Essenzen haben auf die Ausschüttung keinen negativen Einfluss.
Unterstützt werden können die Kräfte durch

- Atmen (vor allem die Bauchatmung stabilisiert das vegetative Nervensystem, hier besonders die "Zilgrei-Atmung ). Das stabile vegetative Nervensystem ist die Voraussetzung für die Ausschüttung der Endorphine! Mit dem Atmen begegnet man dem Wehenschmerz viel leichter!

- Entspannen (Anspannung-Entspannung, Bewegung, Berührung, Massagen, Ausstreichen, Schüttel-Übungen, Wärme, Wasser, Singen, Tönen, Musik usw.)

- Loslass-Übungen

- Angstabbau durch Informationen über den Geburtsverlauf, über den Ort der Geburt, Anwesenheit einer vertrauten Person (der Mann ist die Heimat der Frau im Kreissaal!), Vertrauen zu sich, den positiven Geburtskräften, der Umgang mit dem Wehenschmerz ist erlernbar!

- Dem Geburtsschmerz einen SINN geben! Zum Unterschied von Schmerzen, die durch Krankheit entstanden sind, ist der Geburtsschmerz ein Trennungsschmerz, ein Erweiterungs- Vergrößerungsschmerz, ein Loslassschmerz. Mit der Geburt wird die Frau zur Mutter. Mit dem Geburts-Schmerz geht sie bewusst über die Schwelle der Frau, die Mutter wird.  Auf diesem Weg geht die Türe nur in eine Richtung auf, die Frau, die sie bis jetzt war, lässt sie hinter sich zurück. Aus meiner Sicht kann Geburt auf diese Weise eine Mutprobe für das Leben, nicht nur mit dem Kind sein. Viele Frauen bestätigen, dass sie durch den natürlichen Geburtsvorgang einen Zuwachs an Kraft und Mut bekommen haben.

- Manche Kinder allerdings möchten nicht durch die Enge gehen, manche sind Revoluzzer, wollen sich nicht beugen und benötigen dann die Hilfen, die uns in dieser Zeit - Gott sei Dank - zur Verfügung stehen: einen Kaiserschnitt oder eine Hilfe mit der Saugglocke oder mit der Zange. Vielleicht ist die Schmerzintensität so groß, dass wir der Gebärenden Medikamente anbieten. Die Geburtsmedizin ist heute in der Lage, vielfältige Unterstützung zu leisten, um dem Kind und der Mutter im
Notfall zur Seite zu stehen. Immerhin haben wir GeburtshelferInnen versprochen, das Intelligenzpotenzial, welche das Kind von Mutter und Vater mitbekommen hat, so unbeschadet als möglich auf diese Welt zu begleiten.

- 1 von 10 Kindern also braucht die schnelle und fachkompetente Hilfe unserer modernen Geburtsmedizin. Die anderen 9 Kinder allerdings benötigen diese Hilfe nicht. Die Menschheit wäre lange ausgestorben, wenn die Natur die Frau nicht so ausgerüstet hätte, dass sie auch ganz alleine und ohne Hilfe gebären kann.......

- Keine Gebärende und keine Mutter sollte allerdings ein schlechtes Gewissen haben, wenn sie den Weg zu ihrem Kind nicht alleine schafft.

- Jede Frau, die ein Kind auf die Welt bringt, leistet Außergewöhnliches in der Schwangerschaft, während der Geburt und beim Großziehen des Kindes! Wann werden wir in Familie und Gesellschaft dem endlich Rechnung tragen? All unser Verständnis, unsere Kraft und Unterstützung sollten die Frauen begleiten, die unsere ZUKUNFT tragen. Wir wissen aus der Forschung von vielen Untersuchungen in den letzten Jahrzehnten, dass einestressarme Schwangerschaft mit guter Verbindung zum Ungeborenen nicht nur auf die Geburt, sondern auf die seelische und körperliche Gesundheit und die Intelligenz eines Kindes Auswirkungen hat.

Literatur-Empfehlung:

Internationale Zeitschrift für Pränatale und Perinatale Studien, Mattes Verlag Heidelberg, erscheint vierteljährlich

Das Geheimnis der ersten neun Monate, Walter-Verlag, Düsseldorf 2005, Gerald Hüther (Hirnforscher) und Inge Krens (Pränatalpsychologin). "Wer begreift, welch koplizierten Weg ein Kind bereits hinter sich hat, wenn es auf die Welt kommt, für den wird das Geheimnis der Schwangerschaft nur noch bewundernswerter und kostbarer."

 

Verwendete Literatur:

Prof. Dr. Heinz Kirchhoff, Göttingen
"Die Gebärhaltung der Frau: horizontal oder vertikal?"
(Der Frauenarzt, Heft 3, 1982)

Dr. Monika Bullinger und Forschergruppe,
Institut für Medizinische Psychologie der Universität München
(Interview vom 3.1.1987)

OA Dr. Volker Quiel, Frauenklinik Nordhausen
"Die Schulterdystokie"
(Deutsche Hebammenzeitung, Mai 1991)

Prof. Dr. Gerhard Martius
"Hebammenlehrbuch"

Dr. Carl Müller
"Volksmedizinisch-geburtshilfliche Aufzeichnungen aus dem Lötschental"
1969 by Verlag Hans Huber Bern

Dr. G. J. Engelmann
"Die Geburt bei den Urvölkern"
(Wien 1884)