Noreia Blüten Essenzen

 

STÄRKEN UND BEHÜTEN MIT DEN GABEN DER NATUR

 

Gebären aus eigener Kraft?


Es ist mir als alte Hebamme eine große Ehre, in diesem Forum dabei sein zu dürfen. Es freut mich, die Erfahrungen von einigen Jahrzehnten Geburtshilfe mit Ihnen zu teilen. Was hat sich in den letzten 50 Jahren – den Jahren der Klinikgeburten – im Verhältnis zu der Zeit getan, als unsere Großmütter ihre Kinder bekamen?
Die Mutter meiner Mutter hatte 10 … und alle hat sie – wie es damals üblich war – zu Hause mit der Hebamme alleine geboren. Das letzte mit 46 Jahren und bei den letzten vier wäre sie bald verblutet … zwei der Kinder sind gestorben. Das erste am plötzlichen Kindstod und das fünfte mit 8 Jahren an Tuberkulose.
Die Mutter meines Vaters bekam die ersten zwei Söhne auch zu Hause. Ein offensichtlich sehr geschickter Hausarzt – ein Dr. Hawlicek – hat bei beiden mit der Zange geholfen. Der dritte Bub war so groß, dass in Klagenfurt ein Kaiserschnitt gemacht wurde. Mutter und Kind haben nicht überlebt. Meine Großmutter starb 1914 mit 38 Jahren im Krankenhaus an Kindbettfieber.

Solche Ereignisse fanden in jeder Familie im Haus für alle erlebbar statt, und die Angst vor dem Gebären wurde von einer Generation an die andere weitergegeben. Deshalb bin ich sehr froh über die vielen Möglichkeiten, die wir heute in der Geburtshilfe haben. Alle, die bei diesem Geschehen dabei sind, wollen ja nichts anderes, als Schaden abwenden und das ist in hohem Maße gelungen.
 


IN WELCHER ZEIT SIND WIR HEUTE ANGEKOMMEN?


Beim Gebären wird manches Mal der Eindruck vermittelt, schneller sei besser. Als ob die Gesetze der Wirtschaft im Kreiß-Saal Einlass gefunden hätten. Weil wir so viel steuern können, verführt das manchmal zum Eingreifen in den Geburtsprozess – wo jedoch Geduld und Abwarten angezeigt wären.
Beim Sterben können wir beobachten, dass der Tod ein Feind ist. Auch bei sehr alten Menschen, die so müde vom Leben sind, wird mit allen Mitteln versucht, sie am Leben zu erhalten. Wenn wir das Leben verlängern, obwohl es dem Sterbenden nicht mehr lebenswert erscheint, bedeutet ein sich gegen die Natur stellen, gegen natürliche Lebensrhythmen. Wir vertrauen uns dem Fluss des Lebens nicht mehr an. Vielfach haben Ärzte und Hebammen große Ängste, wenn es gilt Menschen bei Tordurchgängen wie Geburt, Tod und Sterben zu begleiten.
Weshalb tun wir uns alle damit so schwer?
Beim Gebären: Vielleicht deshalb, weil wir in unserem Unbewussten, in unserem Zellgedächtnis, durch eigene schwere Erlebnisse während Schwangerschaft und Geburt mit großen Ängsten belastet sind. Vielleicht, weil die Mütter und Großmütter erzählten, wie schrecklich es war; vielleicht weil die Familienüberlieferung zeigt, dass die Mutter und das Kind dabei sterben kann?
Beim Sterben: Vielleicht haben wir selbst Ängste vor dem Sterben, weil wir noch nicht satt vom Leben sind, weil uns noch was fehlt, weil wir persönlich – wie uns Elisabeth Kübler-Ross sagte – noch nicht reif sind zum Tode…


DURCH „TORE“ GEHEN


Das Kind reift dem Geburtszeitpunkt entgegen und der alte Mensch seinem Tode. Das sind Fakten, Lebensstationen, kein Mensch auf der ganzen Welt kann dem entgehen.
Ich persönlich glaube jedenfalls daran, dass in dem Augenblick, wo ein Mensch diese Welt betritt, auch der Zeitpunkt des Todes schon fest steht. Elisabeth Kübler-Ross vertrat die Meinung, dass die beste Pflege das Leben eines Menschen nicht verlängern kann, es ist nur wichtig und richtig, dass er als Mensch behandelt wird bis zum letzten Atemzug.
Weil sich in vielen tausend Jahren die Bedürfnisse der Menschen bei diesen zwei einschneidenden Tordurchgängen wenig verändert haben, lassen Sie mich eine Reise weit in die Vergangenheit machen, in eine Zeit, wo die Venus von Willendorf verehrt wurde. Sie ist etwa 30.000 Jahre alt.
Damals lebten die Menschen noch in Höhlen, waren Jäger und Sammler, waren in den Urwäldern immer in Gruppen unterwegs. Die Männer gingen auf die Jagd, ob ihnen ein „Weidmannsheil“ gegeben war, war sehr unsicher. Fallen stellen, Steinschleudern, Keulen standen ihnen zur Verfügung.
Ebenso wie die Männer waren die Frauen in Gruppen unterwegs, sammelten Früchte, Wildgetreide, Nüsse, Pilze und Kräuter, kannten sich nicht nur mit der Vorratshaltung gut aus, sondern erkannten die Wirkstoffe der Natur und verwendeten sie bei Krankheit, Geburt und Tod.

Eine Generation lernte von der anderen und Wissen vermehrte sich. Auf diese Weise überlebte der Vorzeitmensch, erkannte immer mehr die Kräfte, die die Natur zur Verfügung stellt, achtete sie und verehrte sie als große Muttergöttin. Die Abhängigkeit von der Natur war den Höhlenmenschen sehr bewusst. Es war nicht selbstverständlich, dass Tiere gejagt und erlegt wurden, nicht selbstverständlich, dass alle Jäger wohlauf nach Hause kamen, nicht sicher, dass die Frauen genug von allem sammeln konnten, dass in einem langen Winter die Nahrung für alle gereicht hat. Es ist verständlich, dass Menschen, die so nahe mit der Natur lebten und sich so den Naturmächten ausgeliefert fühlten, fest an eine überirdische Macht glaubten. An den Funden auf der ganzen Welt begegnet uns in Statuen die Große Mutter, sie nährt, schützt, behütet mit ihren Gaben die Menschen, ihre Kinder. Im Alpenraum wurde Noreia-Isis verehrt. Im Altladinischen heißen die Alpenrosen Norejes - die große Muttergöttin, die da herrscht, wo die Alpenrosen blühen. Sie hat viele, viele Namen, überall auf der Erde. Im Museum in Klagenfurt ist sie dargestellt mit einem Füllhorn im Arm. Wenn die Menschen sorgsam mit ihren Gaben umgegangen sind, hat sie den Segen über die Landschaft und die Menschen verteilt. Sie war die Schützerin der Berge, Quellen, Wiesen, Wälder, der Tiere, die Begleiterin bei Geburt und Tod.
Menschen hatten eine feste Beziehung zum Göttlichen, sie waren ihm ausgeliefert, diesen unberechenbaren, nicht zu kontrollierenden Mächten. Es gab Gesetze, Riten, Verbote, Übertritte wurden gesühnt, damit die Göttin den Stamm nicht strafte. Strafen waren Hunger, Krankheiten, Lawinen, Muren, Überschwemmungen – da wurde das Füllhorn zur Büchse der Pandora …
Alles, was sich an der Natur an Veränderungen zeigt, lässt vermuten, dass sich die Büchse in heutiger Zeit öffnet…
Wie haben die Menschen in der Höhle Geburt und Tod erlebt, was hat ihnen geholfen?
Der Höhlenraum war Heimat, Schutzraum, Geborgenheit. Es gab eine Feuerstelle, es war warm. Und alle Menschen, die hier wohnten, kannten sich. Von den Naturvölkern wissen wir, dass bei der Geburt immer Frauen anwesend waren. Männer waren ausgeschlossen - Geburt und auch Menstruation wurden mit Tabus  belegt. In jedem Falle aber stand ein Mann mit seiner Keule vor der Höhle und sorgte dafür, dass kein wildes Tier störte.
Alle Gebärenden hatten schon als Kinder erlebt, zugeschaut, wie das ist mit dem Gebären, wie sich die Frauen verhalten, wie sie sich gebärden, stampfen, schreien – und was ihnen in den unterschiedlichen  Geburtsphasen hilft. Es war ein heiliger Raum, der errichtet wurde: Vertrauen, Mitgefühl, Wissen, Ermunterung, Mut machen, Geduld, Ausdauer, Dabeisein und achtsames Beobachten zeichnete die Begleiterinnen aus. Und wenn eine von ihnen besonders geschickt und einfallsreich war, wurde sie vielleicht „Jordmor“ = Erdmutter genannt (so heißt die Hebamme in Norwegen heute noch!), zum Unterschied von der Himmelsmutter, der großen Muttergöttin.
 


WAS STAND DER „JORDMOR“ ZUR VERFÜGUNG?


•    Ihr Wissen um die Geburtsvorgänge und um die Rhythmen des Lebens. Sie wusste um die positiven Kräfte bei der Geburt und in welchen Phasen und wann Unterstützung nötig war, oder die Frau einfach nur in Ruhe gelassen werden sollte. Auch damals schon hatten die beiden Aussprüche von großen Geburtshelfern Gültigkeit:
„Man muss viel wissen, um wenig zu tun!“
„Die größte Tugend des Geburtshelfers ist die Geduld…“
•    Eine ganze Anzahl von physikalischen Maßnahmen: Wärmeanwendungen über heiße Steine, Fußbäder, Schütteln, Rütteln, Stampfen, sich bewegen. Sie wusste um den Zusammenhang von kalten Füssen und den Einfluss auf den Muttermund. „Wer Angst hat, hat kalte Füße“ wissen wir heute noch. Massagen mit Fetten, nicht nur an Orten das Schmerzes – z. B. den Rücken oder die Innenseiten der Oberschenkel, sondern auch den Damm und die Scheide wurden gewärmt, massiert, geknetet, gedrückt, gehalten.
•    Die nützlichen Kräuter für die Geburt, in Tees oder auch im Rauch, in Scheiden-Dampf-Bädern. Kräuter-Ölmassagen oder Düfte waren zur Hand. Während der Geburt und im Wochenbett, um Schaden abzuwenden, Krankheit zu verhindern, Kindern einen guten Start, eine sanfte Landung auf dieser Erde zu ermöglichen.
•    Das alles waren Ereignisse, die mit Gebeten und Anrufungen, mit Geburtsliedern und Tänzen begleitet waren – alle Frauen feierten mit der jungen Mutter das neue Leben, beschenkten und ehrten sie und haben sie damit in den Reigen der Mütter aufgenommen.
Ich kann mich noch an meine Kindheit auf dem Berg im Mölltal erinnern, dass meine Mutter mit mir „Weiset“ gegangen ist, ein Brauch, der Wöchnerin etwas „Weißes“ mitzubringen bestand noch in den 50er Jahren: eine Suppenhenne = weißes Fleisch (überall auf der Welt wird diese Wöchnerinnen-Suppe gekocht und bei den Hausgeburten, wenn ich die Ehre hatte gerufen worden zu sein, habe ich während der Wehen Hühnersuppe gekocht, das ist eine Kraftsuppe und soll das Yin wieder herstellen, das die Frau bei der Geburt verloren hat…), Eier, Zucker, weißes Brot = Lebensmittel, die sich viele arme Familien in den Bergbauerndörfern nicht leisten konnten. Das „Weiset“ war was ganz Besonderes…
•    Die „Jordmor“ konnte mit all ihren Sinnen – feststellen, wie die Geburt voranging oder wie ein drohender Geburtsstillstand zu verhindern war, z. B. brachte Beckenschütteln einen Bewegungsimpuls, der es dem Kind ermöglichte, sich auf andere Weise dem Geburtskanal anzupassen: „Mama, schupf die Schaukel an, dass ich wieder schaukeln kann!“


 
Sie wusste am Atmen und an den Lautäußerungen der Frau, in welcher Phase sie sich befindet. Das gilt für uns Hebammen auch heute noch. Eine alte Hebamme antwortete einer Frau, die in der Übergangsphase rief: „Ich sterbe, ich sterbe!“ „Ja, du stirbst jetzt und wenn du nicht stirbst, kann dein Kind nicht geboren werden….“
Hebamme sein heißt Körper, Geist und Seele gebrauchen, mit allen Sinnen die Gebärende begleiten: Lauschen, spüren, tasten, schauen, riechen und viele Spiegelneuronen zur Verfügung haben.
•    Im Mittelalter wurde die Hebamme „Hagazussa“ genannt, die Zaunreiterin, die Frau, die am Zaun sitzt und sowohl das hier und jetzt wie auch die Anderswelt im Blick hatte. Geburt und Tod – das Diesseits und das Jenseits machten keine Angst. Es war und ist ja die andere Seite der Türe, Hereinkommen und Hinausgehen.
Meine Mutter fragte mich am Ende ihres 92jährigen Lebens immer wieder: „Erika, wie ist das Sterben?“ „Mutti, du hast zwei Kinder geboren, hab´ keine Angst, es ist wie Gebären und du wirst es gut machen!“ Und sie hat es gut gemacht: sie hat sich über Stunden weggeatmet und ihr Atem-Weg durch das Tor in die Anderswelt – war dem einer Gebärenden in der letzten Phase der Geburt fast ident. Auch der Ausdruck ihres Gesichtes, als sie es endlich geschafft hatte, ähnelte jenem, den eine Mutter nach einer guten, für sie erfüllenden Geburt hatte….

Je älter ich werde, desto mehr wird mir bewusst, dass wir Frauen von der Natur begnadet sind: wir dürfen mit jeder Geburt für das Abschiednehmen von dieser Welt üben, Vertrauen haben, loslassen und lernen, dass wir trotzdem nicht verlorengehen. Eine Frau aus Afrika verriet mir: „Millionen vor mir haben es geschafft, Millionen nach mir werden es schaffen, ich stehe in der Kette, wovor soll ich Angst haben?“
•    Im räumlichen und emotionalen Schutz der Höhle konnte es die Gebärende zulassen, „schamlos“ zu sein, alle Hemmungen zu verlieren, alles zulassen, was ihr die Weisheit des Gebärzentrums an Signalen zukommen ließ, das tief im Säugetierhirn des Menschen um alle wichtigen Lebens- und Überlebensstrategien weiß: Geburt und Tod, Sexualität, Hunger und Durst, Angriff und Flucht – mit einem Wort, wo die Instinkte zu Hause sind, die unser Überleben auf und in der Welt sicherten und noch immer sichern.
Wenn die Frauen während der Geburt diesen tiefen Bereich erreicht haben, hört das Denken auf, läuft alles automatisch, alles richtig, gebiert die Frau, wie es ihrer eigenen ganz speziellen Lebensgeschichte entspricht, gibt sie die Kontrolle auf, lässt sich mitnehmen, tragen - ziehen von diesen ungeheuren guten Geburtskräften, die zusammenspielen und wirksam werden auf eine wunderbare Weise: die Schwerkraft, die Form des Beckens, der Zwang des Kindes zur Anpassung, seine Mitarbeit durch Bewegen des Köpfchens und der Kraftanstrengung, wenn es am Beckenboden den Kopf „im Schraubstock“ hat… jetzt hat sie kein Zeitgefühl mehr, sie ist in der Traumzeit, in der „Anderswelt“….Wenn sie dort angekommen ist hat sie völlig die Kontrolle aufgegeben. Dadurch werden reichlich Endorphine, körpereigene dem Morphium ähnliche Stoffe ausgeschüttet, die die Schmerzgrenze so weit hinaufsetzen, dass die Frau den Weg durch die Geburt zu und mit ihrem Kind gut gehen kann.


WAS BRAUCHT ES HEUTE FÜR DIE „GUTE“ GEBURT?


Alles, was die Frau in der Höhle vorfand, um ganz in ihre eigene Kraft zu kommen, tut auch heute noch not: so weit haben wir uns vom Säugetier, vom Steinzeitmenschen nicht weiterentwickelt:
•    den intimen Ort, wo die Frau sich so geschützt fühlt, ungestört durch äußere Einflüsse, dass sie „schamlos“ werden darf, wo alle anerzogenen Grenzen wegfallen, sie ganz auf die Instinktebene hinabsteigen kann
•    den emotionalen Schutz durch die sie begleitenden Personen, die Hebamme, den Vater des Kindes und einen Arzt, der mit seiner fachlichen Kompetenz zur Verfügung steht - der Mann vor der Höhle, der seine Keule, sein Wissen wohl zu gebrauchen weiß, wenn die natürlichen Kräfte versagen und von Mutter und Kind Schaden abgewendet werden soll. Er wird gerufen, wenn Gefahr im Verzug ist.
•    Kliniken, die ihrem Personal die Anerkennung für die verantwortungsvolle Arbeit und ihre Belastungen entgegenbringen, Arbeitsbedingungen, die allen Beteiligten die Möglichkeit geben, sich zu erholen, ihre Kraftreserven aufzufüllen und für die Arbeit auch dementsprechend entlohnt werden. Politiker, die für das Krankenhaus-Management verantwortlich sind, unterliegen einer Fehleinschätzung, wenn sie Pflege- und Ärztepersonal an Geburtskliniken mit einem Bürojob vergleichen. Die emotionale Beteiligung und Belastung verlangt längere Erholungs-Zeiten und sicher auch eine entsprechende Entlohnung. Müden und ausgebrannten Mitarbeitern- und Mitarbeiterinnen wird es weder gelingen, den heiligen Schutzraum zu errichten, noch wird die Geduld und die Kraft ausreichen, um eine Gebärende bei einer natürlichen Geburt zu begleiten. Mehr als eine meiner Hebammen-Kolleginnen hat mir bei der Übergabe im Kreißsaal gesagt: „Dass die Frau eine Epidural-Anäesthesie oder ein starkes Schmerzmittel bekommen hat, lag an meiner Müdigkeit und an meinem nervlichen Zustand - Ich konnte nicht mehr!“
•    Die Gesundheitspolitiker sollten endlich erkennen, dass Präventiv-Medizin die Kostenreduktion im Gesundheitswesen bringt und dass die Auswirkungen einer Begleitung in der Schwangerschaft sowie einer „guten“ Geburt auf die Volksgesundheit untersuchenswert ist. Auf der ganzen Welt wird über den Einfluss von Stress in der Schwangerschaft und bei der Geburt auf spätere Lebensprogramme geforscht, werden die Auswirkungen von Medikamenten – wie von Morphinderivaten oder Wehenmitteln bei der Geburt beschrieben. Es sind die Empfehlungen der WHO über die Geburtsleitung in den Kreißsälen immer noch nicht zur Gänze umgesetzt. Hier möchte ich nur die Entbindung in Rückenlage mit hochgeschlagenen Beinen erwähnen – die für Mutter und Kind ungünstigste Stellung überhaupt.  Immer weniger Kinder werden uns geboren. Kinder sind depressiv, werden mit Psychopharmaka behandelt, haben immer mehr Aufmerksamkeitsdefizite, Wahrnehmungsstörungen, ADHS, Lernstörungen, Aggressionen nehmen zu.  Die Kinder in unserem Land scheinen sich nicht mehr des Lebens zu freuen….Eltern sind hilflos und wissen oft nicht mehr weiter. Wer hilft Schwangeren, Gebärenden, Eltern, die Information, Hilfe und Unterstützung brauchen? Wo sind die Einrichtungen, Netze – auch auf dem Land – die von Anfang an begleiten und unterstützen? Wenn es sie in Österreich gibt, gilt das auch für die ländlichen Gebiete? Ich bin Kärntnerin. Vielleicht wäre es in meinem Land nötiger gewesen, Familienzentren zu gründen, als unausgelastete Sportstätten zu errichten….


DIE ALTE HEBAMME WÜNSCHT SICH:


•    Dass die werdenden Eltern in Familienzentren, in denen die Hebammen mit anderen Berufsgruppen zusammenarbeiten, Wissen vermittelt bekommen - nicht nur kognitiv sondern auch emotional
•    Den heiligen Raum wie in der Höhle = Emotionale Sicherheit für Mutter und Kind und den Vater. Da leben wir Gott sei Dank nicht mehr in der Steinzeit!
•    Dass das Wissen über die positiven Kräfte rund um das Geburtsgeschehen und die Unterstützung derselben zu den Hebammen, Krankenschwestern und Ärztin vordringt
•    Dass alle, die im Bereich Geburt tätig sind, durch Supervisionen begleitet werden, damit emotionale Belastungen erst gar nicht zum Burn-out führen
•    Dass viele motivierte Frauen weiterhin diesen Beruf erlernen, der wie kein anderer Körper, Seele und Geist fordert und fördert, eine wunderbare Möglichkeit ist, selbst als Frau zu wachsen und zu reifen, immer wieder über die eigenen Grenzen zu gehen und zu staunen. Auch in der Routine die wunderbaren Kräfte erkennen, die bei der Geburt wirksam sind. Fest daran glauben, dass plötzlich aus einer anscheinend ausweglosen Situation beim Gebären auf einmal eine „gute“ Entwicklung stattfindet, die niemand mehr erwartet hat und wo sich die „himmlische Regie“ zeigt.
•    Mehr Bewusstsein, Wissen und Förderung, dass Stärken und Behüten mit den Gaben der Natur Frauen sehr dabei unterstützen, dass Gebären aus eigner Kraft möglich ist und wird. Das stärkt nicht nur die Familie. Die Welt braucht dringend Kinder mit Vertrauen ins Leben, damit sie den kommenden Zeiten voll Zuversicht entgegengehen.


ZUM ABSCHLUSS

… der große Wunsch: Ebenbürtigkeit und Austausch auf Augenebene zwischen ÄrztInnen und Hebammen. Das Wohlergehen von Mutter und Kind ist uns allen doch ein Herzensanliegen. Und wir können immer voneinander lernen. Die emotionalen Bedingungen des „heiligen Raumes in der Höhle“ mit der modernen Geburtsmedizin zu vereinen.